Biografie

Die Cellistin Tanja Tetzlaff gehört seit Jahrzehnten sowohl als Solistin als auch als Kammermusikerin zu den prägendsten Musikerinnen ihrer Generation. Ihr Spiel zeichnet sich insbesondere durch einen einzigartig feinen, zugleich kraftvollen und nuancierten Klang aus, der immer mit kultivierter Musikalität einhergeht. Das besondere Markenzeichen von Tanja Tetzlaff ist ihr außergewöhnlich breites Repertoire und die Lust auf grenzübergreifende Konzertformate. Über die klassische Musikpräsentation hinauszugehen, andere Kunstformen miteinzubeziehen und sich mit dem Zeitgeschehen auseinanderzusetzen, ist Tanja Tetzlaff ein besonderes Anliegen. Sie spielt alle Standardwerke der Celloliteratur, ist aber auch gefragte Interpretin für Kompositionen des 20. und 21. Jahrhunderts. Dabei liegen ihr besonders die Cellokonzerte von Unsuk Chin, John Casken, Witold Lutosławski, Jörg Widmann und Bernd Alois Zimmermann am Herzen.

Highlights der Saison 2020/21 sind die Uraufführung des Doppelkonzertes für Cello & Percussion von Rolf Wallin, das Tanja Tetzlaff unter der Leitung von Jaime Martin beim Gävle Symphony Orchestra im Januar 2021 präsentieren wird. Als Solistin ist sie darüber hinaus auch beim Trondheim Symphony Orchestra, Belgrade Philharmonic sowie beim Nationaltheater-Orchesters Mannheim zu erleben. Im Bereich der Kammermusik wird sie zusammen mit ihrem Bruder Christian, dem Pianisten Lars Vogt, ihrem Ehemann Florian Donderer, als Teil des Tetzlaff Quartetts und in Zusammenarbeit mit dem Signum Saxophon Quartett u.a. in der Philharmonie Köln, in der Elbphilharmonie, beim Kissinger Sommer, bei den Schwetzinger Festspielen, bei den Albert Konzerten Freiburg, im Nikolaisaal Potsdam sowie in London, Paris und Evian zu erleben sein.

„Die versierte Kammermusikerin Tanja Tetzlaff als selbstsichere Solistin zu erleben, ist ein Genuss (…). Ihr Spiel berührt und entführt in eine bessere Welt.“ 19.09.2019 Mannheimer Morgen/Eckhard Britsch

Im Verlauf ihrer Karriere spielte Tanja Tetzlaff u. a. mit dem Tonhalle-Orchester Zürich, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Konzerthausorchester Berlin, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Philharmonia Orchestra in London und Scottish Chamber Orchestra, Orchestre de Paris, Polish National Radio Symphony Orchestra, und Cincinnati Symphony Orchestra sowie Tokyo Metropolitan und NHK Symphony Orchestra. Sie arbeitete mit namhaften Dirigenten, darunter Alan Gilbert, Daniel Harding, Philippe Herreweghe, Heinz Holliger, Paavo Järvi, Sir Roger Norrington und Robin Ticciati.

Tanja Tetzlaff ist eine gefragte Kammermusikerin und konzertiert regelmäßig bei internationalen Festivals, z. B. in Edinburgh, Bergen, Baden-Baden und bei den Schwetzinger Festspielen, bei denen sie im Mai 2019 „Artist in Residence“ war. Weitere Partner sind Leif Ove Andsnes, Sharon Kam, Alexander Lonquich, Julian Prégardien, Baiba Skride, Antje Weithaas, Carolin Widmann und Hans-Kristian Kjos Sørensen. Tanja Tetzlaff ist Gründungsmitglied des Tetzlaff Quartetts und gastiert seit 1994 gemeinsam mit Christian Tetzlaff, Elisabeth Kufferath und Hanna Weinmeister weltweit. Mit Lars Vogt und Christian Tetzlaff bildet sie zudem ein festes Klaviertrio.

Einspielungen erscheinen bei CAvi, Ars, NEOS und Ondine, darunter Konzerte von Wolfgang Rihm und Ernst Toch. Im Oktober 2019 wurde eine Solo-CD mit Bach-Suiten und Werken von Thorsten Encke veröffentlicht. Im Frühjahr 2020 erschien die Veröffentlichung der Beethoven-Quartette mit dem Tetzlaff Quartett sowie auch des Klavierquintetts von Suk.

Tanja Tetzlaff studierte an der Musikhochschule Hamburg bei Professor Bernhard Gmelin und am Mozarteum Salzburg bei Professor Heinrich Schiff. Sie spielt ein Cello von Giovanni Baptista Guadagnini aus dem Jahre 1776. Tanja Tetzlaff arbeitet mit der Umweltagentur Arktik zusammen und setzt sich für weltweite Klimaschutzprojekte ein.

 

download Biografie als PDF-Datei

 

Tanja Tetzlaff persönlich

Portraitfoto Tanja Tetzlaff
Portraitfoto ©Giorgia Bertazzi

…der größte Genuss beim Musizieren?

„Das ist für mich das Eintauchen in Gefühle, Geschichten, Abenteuer, die zwar im Kopf eines anderen Menschen entstanden sind, der in einem komplett anderen Leben, oftmals in einer anderen Zeit und Welt, zuhause war — und dann zu erleben, wie ich durch die Musik meine eigenen Erlebnisse und Gefühle verschmelzen lassen kann mit denen des Komponisten oder der “Menschheit” allgemein.
Meine Hoffnung und eben auch manchmal größte Erfüllung ist, dass ich es schaffe, durch mein Spiel auch den Zuhörern ein ähnliches Erlebnis zu ermöglichen, dass jemand im Publikum für einen Moment Empathie mit der Menschheit und „Aufgewühlt – Werden“ zulässt, die Musik an sich heranlässt.“

…mein musikalischer Lebensweg…?

„Direkt nach meinem Studium habe ich eine halbe Stelle als Solocellistin bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen angeboten bekommen – gleichzeitig hatte ich aber auch schon ein paar schöne Preise bei Wettbewerben gewonnen und angefangen solistisch und mit Kammermusik zu konzertieren.
In der klassischen Musikszene gibt es immer noch ein weit verbreitetes Schubladendenken  – es ist für manche Veranstalter schwer vorstellbar, dass jemand, der mit Begeisterung Orchester spielt, auch ein „vollwertiger Solist“ sein kann.
Da es mir allerdings irgendwann tatsächlich unmöglich wurde , alle Sparten gleichermaßen energetisch weiter zu verfolgen , habe ich vor zwei Jahren meine verbliebene kleine Viertelstelle bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen gekündigt , um mich seitdem mit ganzer Kraft und Zeit meinen eigenen solistischen und kammermusikalischen Projekten zu widmen.

Ich schätze besonders die Vielseitigkeit meines beruflichen Weges, die Möglichkeiten als Solistin und Kammermusikerin (und das mit meinen absoluten Traummusikern und Freunden und auch immer wieder in neu zu entdeckenden Zusammenhängen), tolle Konzertsäle, tolle Städte und Länder mit anderen Menschen zu bereisen.
Durch meinen Beruf kann ich meine Seefahrer-Gene voll ausleben – unter meinen Vorfahren waren einige Kapitäne und als ich erwachsen wurde, konnte ich es kaum ertragen, wenn ich mal länger als fünf Tage an einem Ort verbringen musste.

…besondere musikalische Erinnerungen, an die ich gerne denke: 

  • angefangen in meiner Kindheit am Sonntagmorgen, Bach Kantaten im Radio beim Familienfrühstück…
  • die erste Kassette, die mein Bruder mir aufgenommen hat mit Brahms vierter Sinfonie und Schuberts „Unvollendete“, die die Hintergrundmusik für mein Playmobil-Spiel war
  • viele eigene gespielte Konzerte, oftmals grade diejenigen, die kurz nach schmerzlichen persönlichen und weltgeschichtlichen Geschehnissen stattfanden:

Beispiel: ein Kammermusikabend in der Toppan Hall in Tokyo, wo Julien Prégardien einen erschütternd aufwühlenden “Schwanengesang” – Zyklus von Schubert sang und wir anschließend Schuberts Streichquintett spielten – die Verbindung von Sprache und Musik so extrem fühlbar.

…über die Beziehung zu Ihrem Instrument?

„Mein Guadagnini Cello begleitet mich ja jetzt schon sehr lang auf allen Reisen und in allen Konzerten, das ist natürlich kein Stück Holz mehr oder ein Handwerkszeug, sondern ich liebe es und fühle mich auf sehr spezielle Art zuhause damit. 

Im Spaß nenne ich es Giovanni!

Mein stiller Begleiter im Nebensitz im Flugzeug – und auf der Bühne, wenn alles gut ist, ist es ein Teil von mir oder eine Verlängerung meiner Seele.“

Ein paar Gedanken zu unserer Verantwortung als KünstlerInnen in der heutigen Zeit :

“Der Elfenbeinturm , in dem wir uns als ausübende Musiker der Klassikszene zumeist befinden , bereitet mir schon lange ein ungutes Gefühl. Mehr und mehr drängt es mich , den Problemen der Welt und der Menschheit nicht mehr zu entfliehen , sondern sich ihnen zu stellen , darauf aufmerksam zu machen , dass eben nicht alles wunderbar in Ordnung ist , sondern dass die Menschheit sich an einem Abgrund befindet , den wir nicht länger verdrängen dürfen und auch nicht können , da er uns alle unmittelbar betrifft – die Welt verändert sich und der Glaube , dass Umweltzerstörung und Klimawandel etwas ist , was vielleicht merkbar ist , aber eben „nur weit weg“ Konsequenzen hat , muss jetzt ein Ende haben .
So sehr ich meinen Beruf liebe und auch die damit verbundene Versenkung in eine Traum- und Scheinwelt , so sehr wird mir immer bewusster , dass ich später, wenn ich am Ende meines Lebens stehe , nicht zurückschauen möchte und meinen Kindern und nachkommenden Generationen erklären müssen , dass ich leider zur Rettung der realen Welt nichts beigetragen habe , sondern nur mit meiner „ hohen Kunst“ beschäftigt war. Und gerade die klassische Musik mit ihrer Verbundenheit und Verwurzelung in der Natur und im zutiefst Menschlichem , mit all ihrer Verletzlichkeit und Intimität hat eben das Potenzial , anzurühren , aufzurütteln und zu mahnen — uns alle zu mehr Achtsamkeit und Behutsamkeit im Umgang mit der Umwelt und den Menschen aufzurufen .
Als reisende Musikerin möchte ich deswegen einerseits ein Vorbild sein dafür , verantwortungsvoll umzugehen mit dem Dilemma, dass jede Art der Mobilität natürlich schädlich ist , wir sie aber kaum einschränken können , wenn wir unseren Beruf weiterhin ausüben wollen : Es gilt aber , jeweils bewusst die am wenigsten zerstörerische Weise zu reisen auszuwählen – und mein Bestreben ist , jede Tournee weitestgehend zu neutralisieren , wobei ich mit verschiedenen Umweltschutzorganisationen daran arbeite , meinen CO2 Fußabdruck zu minimieren . Andererseits sehe ich meine Aufgabe darin , das Publikum mit einzubeziehen, aufzurütteln und aufzufordern , die Schönheit der Musik und der Natur gleichermaßen wahrzunehmen und beides als etwas Schützenswertes , Wunderbares , Zerbrechliches zu bewahren und zu behüten.”